Case Study

Digitale Identität trifft Fahrzeug­zulassung

Ein Praxisbericht von NECT & TÖNJES.

Vom analogen Schalter zur digitalen Lösung

Noch vor wenigen Jahren war die Kfz-Zulassung ein Sinnbild analoger Verwaltungspraxis: lange Wartezeiten, Papierberge und zahlreiche Besuche am Schalter. Ein Blick auf das Online-Dashboard des Bundes­ministeriums für Digitales und Verkehr zeigt, dass zwischen September 2023 und 2025 von rund 50 Millionen Zulassungs- und Stilllegungs­vorgängen schon 4,8 Millionen – knapp zehn Prozent – online abgewickelt wurden.

Deutlich wird jedoch, dass insbesondere bei den Außer­betrieb­setzungen von Januar bis 2025 die Digitalisierung an Fahrt gewonnen hat: In den vergangenen Monaten erfolgte bereits rund 29% dieser Vorgänge digital. Gleichzeitig steigen die Zahlen der vollautomatisierten Online-Neuzulassungen kontinuierlich – ein Anfang, der den Bruch mit der alten Schalterlogik ankündigt. Mit der Einführung der neuesten Stufe der internetbasierten Fahrzeug­zulassung 2023, also i-Kfz Stufe 4, wurde der Weg für eine vollständig digitale Abwicklung geebnet – inklusive Identifikation des Fahrzeughalters und rechtsverbindlicher Unterschrift unter die Zulassungs­dokumente. Dem gingen die i-Kfz Stufen 1 bis 3, die in den Jahren 2015 bis 2019 umgesetzt wurden, voraus.

„Gemeinsam mit Tönjes zeigen wir, dass Fahrzeug­zulassung heute voll­ständig online, sicher und nutzerfreundlich funktionieren kann – ohne Medienbrüche und ohne Behördengang.“

Benny Bennet Jürgens

CEO & Founder | Nect

Erfolg in Zahlen

1 Mio.

digitale Zulassungsvorgänge
zwischen 2023 und 2025

0 %

aller Außerbetriebssetzungen
von Januar bis Oktober 2025 digital

Für Tönjes, einen der führenden An­bieter im Bereich Zulassungs­dienste und registrierter Großkunde des Kraft­fahrt­bundesamtes (KBA), hatte dies zur Folge: Die bisherigen analogen Prozesse mussten grundlegend über­dacht und gemäß den Vorgaben des Gesetzgebers digitalisiert werden. Neu eingeführt wurden eine Groß­kunden­schnittstelle beim KBA für das Ein­reichen digitaler Zulassungs­anträge, die Möglichkeit der Zulassung für juristische Personen, sowie die Antrag­stellung für Dritte durch zertifizierte Dienstleister. Vor der Zusammenarbeit mit Nect erfolgte die Identitäts­prüfung klassisch in der Zulassungsbehörde. Bedeutet: Der Fahrzeughalter legte seinen Ausweis vor, juristische Personen mussten zusätzliche Doku­mente wie Handelsregisterauszüge bereitstellen. Voll­machten und SEPA-Mandate wurden handschriftlich unter­zeichnet.Frühere digitale Verfahren (i-Kfz Stufe 1–3) waren ausschließlich für natürliche Personen nutzbar und erforderten zusätzliche Hardware wie Kartenlesegeräte oder spezielle Apps.
Mit Nect Ident für die Personen­identifizierung und Nect Sign für die qualifizierte elektronischer Signatur (QES) hat Tönjes eine Lösung ge­funden, die diese Hürden überwindet – und sowohl für natürliche als auch juristische Personen funktioniert. Ziel war es, einen durchgängig digitalen, rechtssicheren und benutzer­freund­lichen Prozess zu etablieren.Werner Therman, Projekt­manager bei Tönjes: „Mit der Einführung der digitalen Identi­fikation konnten wir unsere Prozesse spürbar verbessern. Die Fahrzeugzulassung läuft jetzt deutlich schneller ab, was bei unseren Kundinnen und Kunden für große Zufriedenheit sorgt. Gleichzeitig entlasten wir unsere Sachbearbeitung erheblich, da weniger manuelle Schritte notwendig sind. Besonders wichtig ist für uns auch die ver­besserte rechtliche Absicherung durch die qualifizierte elektronische Signatur – damit haben wir einen echten Mehr­wert in Sachen Compliance und Sicher­heit geschaffen.“

Integration in der Praxis: Ein komplexer Start

Die technische Integration von Nect Ident in die Tönjes-Plattform T-Kfz.de war komplex und mit größeren Heraus­forderungen verbunden. Beide Seiten standen vor einem neuen Prozess, der nicht einfach durch eine einmalige API-Anbindung abgeschlossen werden konnte. Statt eines klaren „Go-Live“-Zeitpunkts entwickelte sich die Ein­führung zu einem iterativen Projekt mit vielen Anpassungen. Tönjes war ver­antwortlich für die korrekte Über­mittlung der Antragsdaten, während Nect die eIDAS-zertifizierte Techno­logie zur digitalen Identifikation und Signatur bereitstellte. Die Eigen­ent­wicklung T-Kfz wurde zudem um die Komponente „digitale i-Kfz Aufträge“ erweitert.
„Die Zahl der digitalen Aufträge stieg im Ver­gleich zum Vorjahr um 400 % – ein klares Zeichen“ für die wachsende Akzeptanz bei Endkund:innen.“

Werner Thermann

Projektmanager | Tönjes
Das Kraftfahrtbundesamt stellte um­fang­reiche Anforderungen an Groß­kunden: Datenschutz- und Fach­konzepte zur Großkunden­schnittstelle (GKS) sowie Selbst­ver­pflichtungen zur Nutzung der GKS mussten erfüllt werden. Auch die Zulassungsbehörden selbst hatten hohe Anforderungen zu erfüllen, etwa die Mindes­tsicherheits­anforderungen des BSI. Zum Start am 01.09.2023 konnten aber schon rund 50 % der Behörden die neuen digitalen Geschäfts­vorfälle bearbeiten.
Mit dem Inkrafttreten konnten die Registrierungs- und Abnahmeprozesse für Großkunden erstmals gestartet werden. Der laufende Betrieb diente dabei gewissermaßen als Pilot in einer realen Umgebung. In dieser Phase wurde auf allen Seiten eng zusammen­gearbeitet, intensiv nachjustiert und praxisnah optimiert. So gelang es, in den ersten vier Monaten bis Ende 2023 bereits rund 4.200 Vorgänge mit 36 aktiven Großkunden über die neue Schnittstelle abzuwickeln. Im Vergleich zu den 6,8 Millionen Vorgängen am Schalter zeigt sich: Der digitale Ein­stieg erfolgte bewusst behutsam – und hat eine wertvolle Lernkurve ge­schaffen, auf der die weitere Ent­wicklung aufbauen konnte. Da die rechtliche Grundlage erst mit Inkraft­treten der neuen Fahrzeug­zulassungsverordnung geschaffen wurde, startete der Betrieb quasi als Test in einer produktiven Umgebung.In regelmäßigen Treffen zwischen Tönjes, Nect und weiteren Projekt­partnern wurde ein kontinuierlicher Verbesserungs­prozess etabliert, der die Lösung Schritt für Schritt stabilisierte und optimierte.

Ergebnisse, Feedback und nächste Schritte

Trotz der Herausforderungen zeigen sich bereits deutliche Vorteile der digitalen Lösung. Die Fahrzeug­zulassung erfolgt schneller, die Kundenzufriedenheit ist gestiegen, die Sachbearbeitung wird entlastet und die rechtliche Absicherung durch die qualifizierte elektronische Signatur ist deutlich verbessert. Die Zahl der digitalen Aufträge stieg im Vergleich zum Vorjahr um 400 % – ein klares Zeichen für die wachsende Akzeptanz bei Endkund:innen. Bis heute haben sich über 10.000 Menschen mit Tönjes und Nect identifiziert und ihr Kfz digital angemeldet. Die Mehrheit – knapp 63% – haben für die Personen­identifizierung die vollautomatisierte Identifikation per Ausweis-Scan und Selfie-Video genutzt. Bereits 20% haben das Re-Ident-Verfahren – also mit einer zuvor erfolgreich durch­geführten Identifizierung über die Nect Wallet zur Identifizierung – genutzt.
„Die Integration der Ident-Lösungen in be­stehende Fach­verfahren zeigt, dass digitale Identität und elek­tronische Signatur reif für den produktiven Einsatz in hochregulierten Ver­waltungsprozessen sind.“

Benny Bennet Jürgens

CEO & Founder | Nect

Erfolg in Zahlen

über 1 .000
Menschen erfolgreich identifiziert
0 %
nutzen das Re-Ident-Verfahren
NFC- und eID-Verfahren haben lediglich 13% bzw. 4% genutzt.Das Feedback ist aber eindeutig: Weniger Papierkrieg, günstigere Amts­ge­bühren und mehr Vertrauen in die digitalen Prozesse sorgen für eine stetig steigende Nachfrage. Tönjes plant bereits den nächsten Schritt: Das neue Nect Portal soll künftig für interne Signaturvorgänge im Unter­nehmen getestet und eingesetzt werden. Werner Thermann: „Die Zusammenarbeit mit Nect funktioniert sehr gut – wir schätzen den Startup-Spirit mit schnellen Verbesserungs­prozessen und offener Kommu­nikation.“Digitale Identifikation kann also auch in hochregulierten Bereichen wie der Fahrzeugzulassung erfolgreich umgesetzt werden – mit echtem Mehrwert für Behörden, Unter­nehmen und Bürger:innen.

Auto Video Ident

63%

Re-Ident

20%

NFC

13%

EID

4%

Prozentuale Verteilung der eingesetzten ID-Verfahren. eID= elektronischer Personalausweis mit einem Chip; NFC = ePass / ID Cards (eIC); Re Ident = wiedervendete Nect ID; Auto Video Ident = Optische Verfahren, Stand Oktober 2025

Die wichtigsten KPIs auf einen Blick

„Die Zusammenarbeit mit Nect funktioniert sehr gut – wir schätzen den Startup-Spirit mit schnellen Verbesserungs­prozessen und offener Kommunikation.“

Werner Thermann

Projektmanager | Tönjes

Digitalisierung der Kfz-Verwaltungsprozesse

Fortschritte bei Tönjes

Prozentuale Verteilung der Ident-Verfahren

63%

aller Vorgänge über optische Verfahren

20%

aller Vorgänge mittels Re Ident

13%

aller Vorgänge mittels NFC

4%

aller Vorgänge über die EID
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