Das Wichtigste in Kürze
- Ab Juli 2027 schafft die AMLR ein einheitliches Regelwerk für die Geldwäscheprävention in allen EU-Mitgliedstaaten und ersetzt viele nationale Sonderregelungen.
- Digitale Identitäten rücken in den Mittelpunkt der Identifizierung, insbesondere nationale eIDs, die EUDI-Wallet und Qualified Trust Services (QTS).
- Unternehmen profitieren von standardisierten Prozessen, geringeren Kosten und besserer Skalierbarkeit, während Verbraucher von schnelleren und einfacheren Identifizierungsverfahren profitieren.
Inhaltsverzeichnis
Vom GwG zur AMLR
Vom Flickenteppich zum europäischen Regelwerk
Bisher basiert die europäische Geldwäschebekämpfung auf Richtlinien. Diese geben zwar Ziele vor, müssen jedoch von jedem Mitgliedstaat in nationales Recht umgesetzt werden. Die Folge: 27 unterschiedliche Auslegungen und Umsetzungen. Was in Deutschland als rechtskonforme Identifizierung gilt, kann sich erheblich von den Anforderungen in Frankreich, Spanien oder Italien unterscheiden. Für international tätige Banken und Finanzdienstleister bedeutete das bislang hohe Kosten, komplexe Prozesse und separate Onboarding-Strecken für jeden Markt. Mit der AMLR endet dieses Modell. Als Verordnung gilt sie unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten und benötigt keine nationale Umsetzung mehr. Die Spielräume für unterschiedliche Interpretationen werden dadurch deutlich reduziert.
Die AMLR definiert erstmals klar, welche digitalen Verfahren künftig für die Identifizierung im Kontext der Geldwäscheprävention zugelassen sind.
Im Mittelpunkt stehen drei europaweit anerkannte Methoden:
- Nationale elektronische Identitäten (eID): Staatlich ausgegebene digitale Identitäten mit einem Vertrauensniveau „substanziell“ oder „hoch“.
- Die European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet): Bis Ende 2026 muss jeder Mitgliedstaat eine EUDI-Wallet bereitstellen. Bürgerinnen und Bürger können damit künftig digitale Identitätsnachweise europaweit verwenden.
- Qualified Trust Services (QTS): Dazu gehören insbesondere Qualified Electronic Signatures (QES) und Qualified Electronic Attestations of Attributes (QEAA), die von qualifizierten Vertrauensdiensteanbietern bereitgestellt werden.
Dokumentenbasierte Verfahren bleiben zwar weiterhin möglich, sofern sie den Anforderungen der ETSI-Norm 119 461 entsprechen. Die regulatorische Stoßrichtung ist jedoch eindeutig: Die EU setzt auf digitale, interoperable und eIDAS-konforme Identitäten.

Deshalb ist die AMLR besonders für Deutschland relevant
Kaum ein europäisches Land hat die digitale Identifizierung für geldwäscherechtliche Zwecke so streng reguliert wie Deutschland. Das deutsche Geldwäschegesetz (GwG) erlaubte bislang im Wesentlichen vier Wege der Fernidentifizierung:
- Persönliche Identifizierung, beispielsweise in der Filiale oder über PostIdent
- Video-Ident mittels Live-Videogespräch mit geschulten Mitarbeitenden
- Nutzung der Online-Ausweisfunktion (eID)
- Qualifizierte elektronische Signatur in Kombination mit einer Referenzüberweisung
Vor allem die Anforderungen an Video-Ident prägten den Markt über Jahre hinweg. Nach den Vorgaben der BaFin musste die Identitätsprüfung in Echtzeit von speziell geschulten Mitarbeitenden durchgeführt werden. Vollautomatisierte Verfahren oder KI-gestützte Identitätsprüfungen wurden für GwG-regulierte Anwendungsfälle nicht als gleichwertige Alternative anerkannt. Damit entstand ein Paradox: Während moderne Technologien in anderen europäischen Ländern bereits für regulierte Identifizierungen zugelassen waren, blieb der deutsche Markt weitgehend auf manuelle Video-Ident-Verfahren angewiesen. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen waren offensichtlich: deutlich höhere Prozesskosten, eingeschränkte Skalierbarkeit, längere Abschlusszeiten, eine oftmals schwächere User Experience.
Was sich mit der AMLR ändert
Fazit
Die AMLR ist weit mehr als eine weitere regulatorische Anpassung. Sie markiert den Übergang von nationalen Identitätsmodellen zu einem europäischen digitalen Identitätsökosystem. Für Unternehmen bedeutet das weniger regulatorische Fragmentierung und mehr Skalierbarkeit. Für Verbraucherinnen und Verbraucher eröffnet sich die Perspektive auf einfachere, schnellere und konsistentere Identifizierungsprozesse innerhalb der gesamten Europäischen Union.
Besonders für Deutschland könnte die AMLR einen lang erwarteten Wandel einleiten. Weg von kostenintensiven, manuellen Video-Ident-Prozessen und hin zu modernen, automatisierten und europaweit anerkannten digitalen Identitätslösungen.
